Exklusives Interview mit Sebastian Notbom von GruselSeite.com

Nach unserem Interview mit Hendrik von Horrorpilot.com freuen wir uns sehr darüber, dass wir bereits unseren zweiten Partner für ein Interview gewinnen konnten: Sebastian Notbom von GruselSeite.com!

Sebastian erzählt uns etwas über sich, seine Website GruselSeite.com und natürlich über seine ganz eigenen Pläne für die Zombie Apokalypse.

Das Interview

Sebastian Notbom, Chief-Editor und Webmaster von GruselSeite.com

Erzähl doch erst einmal mal kurz was über dich.

Sebastian: Ich bin z.Z. 32 Jahre alt und lebe, seit ich denken kann, in Bremen. Ich komme aus der Mediengestaltungs- und Fachinformatik-Ecke.

Welches Horrorfilm-Genre gefällt dir am besten? Splatterfilme, Psycho-Horror oder vielleicht etwas ganz anderes?

Am liebsten mag ich tatsächlich Zombiefilme, wobei es dem Genre meiner Meinung nach etwas an Innovation mangelt. Es folgen harte Exploitation und Backwoodhorrorfilme wie Hostel

und The Hills Have Eyes. Das klingt irgendwie klischee- bzw. mainstreammäßig, mir ist bei aller gezeigten Härte aber auch die visuelle Qualität wichtig. Filme bewerte ich auch oft nach dem Kriterium, wie viel sie gekostet haben. Wenn ich z.B. nachschlage, dass so gut wie jede Ben Stiller-Komödie schon ca. 50 Millionen Dollar kostet und Eli Roth (Hostel, Cabin Fever), Rob Zombie (The Devil’s Rejects), Alexandre Aja (High Tension, Thhe), James Wan (Saw, Insidious) oder Neil Marshall (The Descent, Doomsday) echte Horror-Meisterwerke mit einem Budget von 1-5 Millionen Dollar drehen, so fließt dies meinstens auch in meine Bewertungen (objektiv und subjetiv) mit ein.

Faszinierend finde ich vor allem Filme die (auf das Genre bezogen) wenig gekostet haben aber 100% (oder mehr) Wirkung erzielen.

Zombie Filme Top 3

Hast du einen Lieblings Zombie Film und was ist deine Top 3?

Sebastian: Mein Lieblings Zombiefilm ist wohl das Remake von Dawn of the Dead (2005). Das Original ist zwar ein echter Klassiker und war seiner Zeit echt genial und weitaus gesellschaftskritischer als heutzutage (wegen dem aufkommenden Überfluss durch die Malls in Amerika), aber ich halte George A. Romero nicht wirklich für einen guten Regisseur. Zombiefilme kann bzw. konnte er drehen (die letzten beiden fand ich scheiße, auf Gutdeutsch gesagt), aber seine anderen Werke sind eher zweit- bis drittklassig, leben eigentlich nur von Tom Savinis Special-FX. Außerdem habe ich nichts gegen Neuauflagen, die eine gute Geschichte gelungen in die Gegenwart transportieren. Viele Hollywood-Remakes sind tatsächlich unnötig, aber es gibt halt auch, meiner Meineinung nach, wirklich gute (z.B. Texas Chainsaw Massacre, The Hills Have Eyes, Maniac, The Last House on the Left).

Top 3 Zombiefilme: Dawn of the Dead (2005), Braindead – Dead Alive und The Walking Dead (TV). Wenn letztes nicht zählt, dann nehmen wir einfach Day of the Dead von Romero. 🙂

Als Underdog mit klassischen Zombies würde ich The Zombie Diaries empfehlen, ein Zombie-Handycam-Film aus England. Der trifft meine Vorstellung einer Zombiekalypse echt gut, allerdings nicht jeden Geschmack.

Dann zu deinem Projekt, der GruselSeite: Seit wann gibt es deine Webseite und wie kam es dazu?

Ca. Mitte 2001 bekam ich meinen ersten eigenen Internetanschluss mit 56k-Modem und begann online „StarCraft“ zu spielen (das ist übrigens der Ururgroßvater von Pflanzen gegen Zombies – Turret Defense) und hatte meinen eigenen Clan. Für den musste natürlich eine Website oder mind. ein Forum her. Also begann ich mich mit HTML & Co. zu beschäftigen. Das machte mir sehr viel Spaß und so wollte ich mehr „coole Websites“ mit tollen, blinkenden .GIF-Animationen herstellen. Da ich schon immer von Filmen sehr fasziniert war und gerne auch mal selbst einen drehen wollte, Filme also gewissermaßen auch nach ihren technischen Aspekten (besonders coole Kamerafahrten/-einstellungen und so) beurteilt habe, überlegte ich kurzerhand eine eigene Website über Filme herzustellen. Damals noch mit diesen kostenlosen .TK-Domains und 10Mb Webspace bei Freenet. Alle Filme war mir aber zu aufwändig und so musste ich mich für ein Genre entscheiden. Da mir ein paar Gorehounds aus dem Bekanntenkreis immer wirklich unterirdische Indipendent-Produktionen als ultimative Horror- und Splatterfilme empfohlen haben, lag es recht nahe mal Horrorfilme nach meinen eigenen Kriterien zu empfehlen, was auch ziemlich gut ankam.

Das Design der GruselSeite hat sehr gut gefallen. Hast du dir das alles selbst beigebracht?

In der Zeit als ich anfing Websites zu erstellen, besuchte ich einen Grundausbildungskursus zum IT-Systemelektroniker. Das war Vollzeit und über 10 Monate. Dort hatten wir dann auch, so merkwürdig das klingt, Photoshop als Unterrichtsfach. Hinzu kommt mein fachspezifisches Fachabitur in Produktdesign und diverse Praktika bei Mediengestaltern. Tatsächlich wollte ich auch Design studieren, nur musste ich gute 7 Jahre wegen meines Numerus clausus warten. Da bekommt man irgendwann einen Schlendrian, schlägt sich mit Aushilfsjobs durch und versemmelt dann die Aufnahmeprüfung. Ich bin dann in die Studienrichtung „Digitale Medien/Medien Design“ gerutscht, welche, nachdem ich angenommen wurde, nur noch „Digitale Medien“ hieß. Das stellte sich dann als beinharte Informatik mit hardcore-Mathe heraus. Der Mathematik auf Studien-Niveau war ich einfach nicht gewachsen. Plötzlich erhielt ich das Angebot in einer kleinen Medienagentur zu filmen, da ich hobbymäßig bereits ziemlich anschauliche Clips mit meiner kleinen DV-Kamera erstellt habe (auch für die Website). Das verlief aber ziemlich schlecht, da der damalige Chef aus privaten Gründen einige Monate aussetzen musste und die Agentur den Bach herunter ging. Diese Firma gehörte zu einer großen Reederei, die mittlerweile Insolvenz anmelden musste, in der ich dann in der IT-Abteilung landete und dort einige Jahre lang gearbeitet habe und ausgebildet wurde.

Hast du schon mal an anderen Projekten im „Horror-Bereich“ mitgearbeitet?

Nicht wirklich. Als ich merkte, dass meine eigenen Ideen nicht gut genug im privaten Rahmen realisierbar waren, wollte ich mich bei Projekten in der Umgebung bzw. von Bekannten mit einklinken. Aber irgendwie haben die Leute meist kurz vorher den Schwanz eingezogen, aus ähnlichen Gründen wie ich zuvor auch. Ich war sogar schon drauf und dran vor der Kamera als irgendeine Schlägerrolle (passt ja immer ganz gut, wenn man ein großer, rockiger Typ ist) zu posieren und nebenbei technisch zu beraten/helfen wo ich kann. Aber leider ist aus diesen Projekten nie etwas geworden… Man könnte allerdings sagen, dass ich bei einigen Conventions mitgeholfen habe (Hauptthema solcher Veranstaltungen ist irgendwie meistens Horror), indem ich dort gefilmt und das Material gut zusammengeschnitten habe. Diese Conventions werden mittlerweile gut besucht und ich denke, dass ein kleiner Teil der Interessenten durch meine Videos auf den Geschmack gekommen sind. Natürlich hatte ich aber auch immer Hilfe bei den Videos, z.B. einen zweiten Kameramann und einige versierte Leute in unserem Forum, die mir mit den Effekten helfen konnten.

Das Interview mit Ralf Möller: Ein Pfundskerl!

Wir haben gesehen, dass du bereits viele verschiedene Personen des Horror-Genres interviewt hast. Ist dir davon jemand ganz besonders im Gedächtnis geblieben?

Ralf Möller im Interview bei Sebastian Notbom von Gruselseite.com

Sebastian: Das beste Interview hatte ich mit Ralf Möller. Das ist wirklich ein Pfundskerl! Es ging dabei um Pathfinder

von Marcus Nispel (Freitag, der 13. [Remake], TCM [Remake]). Nach dem Interview musste ich noch etwas warten und war dann mit den Beiden (Möller und Nispel) alleine. Die fingen plötzlich an rumzualbern von wegen: „Weißte noch, oben auf dem Berg im Schnee? Immer wenn du nicht machen wolltest was ich dir gesagt habe, dann hab ich dich in den Schwitzkasten genommen und…“ – und plötzlich griff sich Möller den Nispel, nahm ihn in den Schwitzkasten und rieb ihm mit den Fingerknöcheln über die Glatze (Nispel hatte damals Glatze und einen Weihnachtsmannbart, wegen einer Wette). Die Rangelei zog sich bis in den Fahrstuhl des Hotels hin, in den sie mich mitnahmen und mir Annekdoten erzählten. Die weiblichen PR-Angestellten wirkten verdammt verdutzt. Bei dem Interview hat mir Nispel auch die Kamera aus der Hand gerissen und wollte sich selbst filmen. Leider hat er aber vergessen auf den Aufnahmenknopf zu drücken. Und irgendwie ziemlich cool fand‘ ich, dass ich die einzige zugelassene Internetseite bei dem Interview war. Ich musste bei Schnittchen und Kaffee zusammen mit den Frühstücksfernsehen-Moderatorinnen und Leuten von Pro7 warten, die sich brennend dafür interessiert haben, was ich eigentlich mache. 😀 – Ich weiß nicht ob das hinter vorgehaltener Hand verachtend oder wirklich interessiert gemeint war. Es kam auf jeden Fall nett rüber und hat irre Spaß gemacht.

Das Interview mit Ralf Möller gibts hier zu sehen: Ralf Möller im exklusiven Interview zu Pathfinder.

Ganz besonders sympathisch war auch Doug Bradley (Hellraiser) im letzten Jahr. Ich hatte leider etwas Probleme mit den Untertiteln (wir labern zu viel über Musik und ich muss dafür viel im Internet recherchieren, um nichts falsches zu schreiben). Der Kerl ist auf jeden Fall sehr nett, interessant und ein echter Altrocker. Hätte ich nicht erwartet. Robert Rodriguez‘ Nichten, die Avellan-Schwestern Elise und Electra, waren auch sehr unterhaltsame Gesprächspartnerinnen.

Das Interview mit Doug Bradley gibts hier zu sehen: Interview mit Doug Bradley (Hellraiser).

Hast du ein paar Leute, die dir bei deinen Artikel und bei deiner Seite helfen?

Nein. Momentan mache ich alles alleine. Typischer Bürokram, Kontakte pflegen, irgendwo hinfahren und filmen/interviewen, schneiden, News suchen, News posten, Filme schauen (ob man will oder nicht) und letztendlich die Kritiken schreiben. Letzteres nimmt insgesamt, mit Film anschauen, locker mal 4-5 Stunden Zeit in Anspruch. Noch länger, wenn ich nach Hamburg zu einer Pressevorführung fahren muss und man die Fahrt mitrechnet… Es ist nicht einfach „Mitarbeiter“ zu finden. Einige sind mit den Korrekturen meinerseits nicht einverstanden, andere wollen nur ein paar kostenlose Filme und merken dann, dass doch ziemlich viel Arbeit dahinter steckt eine „vernünftige“ Kritik (nach meinem Verständnis) zu schreiben und bezahlen kann ich leider nichts, da ich sogesehen nichts mit der Internetseite verdiene. Ich mag keine nervige Popup-Werbung und versuche so wenig Werbung wie möglich zu schalten. Es ist einfach ein Projekt von einem Fan für Fans, die etwas mit meiner Meinung anfangen können. Und wenn nicht, dann gibt es eben einen Grund im Forum zu diskutieren.

Geholfen hat mir jemand mit dem aktuellen Grundgerüst der Website. Er hat mir quasi das System eingerichtet und modifiziert. Hinter der GruselSeite steckt ein Typo3 CMS, was für meine Zwecke in etwa so ist, wie mit Raketen auf Spatzen zu schießen. Aber derjenige, der mir damit geholfen hat, der wollte es gleich richtig machen.

Kritiken waren vorher fast 800 Stück auf der Website. Sie ließen sich aber nicht in das neue Design importieren und es ist verdammt viel Arbeit diese händisch zu übertragen. Viele der alten Kritiken gleichen aber auch eher einem heutigen Fazit. Die will ich gar nicht mehr auf der Seite haben. Im Juni 2012 (ist ja jetzt sogar einjähriges Jubiläum) gab es also einen Reset der Website, weshalb das Angebot noch etwas mau ist.

Hast du bereits Pläne für die Zukunft der GruselSeite?

Das was alle wollen: Mehr Geld, aber mit so wenig aufdringlicher Werbung wie möglich. – Nein. Also, nicht wirklich. Ein bisschen mehr Anerkennung für die ganze Arbeit wäre nett (Zitate z.B.). Aber GruselSeite.com (als .COM-Domain) gibt es nun schon 8 Jahre. Die Zeiten der größeren Verdienste und Verdienstmöglichkeiten im Internet sind leider vorbei. Es gab Zeiten, in denen zahlten Adserver-Betreiber für 2 Wochen einen einzigen Werbebanner zu schalten gute 700€. Heute gibt es nur noch ein kleines Taschengeld. Ich habe mich mit einigen Betreibern auch privat recht gut verstanden und ausgetauscht. Die Problematiken sind etwas tiefergender, darum kann ich das Thema hier nur ankratzen.

Alleine kann ich leider nicht all zu viel aus der Website rausholen. Ich sehe es mittlerweile nur noch als Hobby (was jeder andere auch tun sollte, der über kein Team verfügt), das mir natürlich weiterhin sehr viel Spaß macht. So bekomme ich auch keine Sprüche von Labels vorgesagt und kann objektiv (nach meiner Skala) bewerten. Ein paar Zitate auf DVDs und Blu-rays sind zwar nett, aber nicht wenn man sich danach zu sehr bei den Besuchern rechtfertigen muss. 😉

Und unsere klassische Abschlussfrage: Was würdest du machen, wenn heute eine Zombie Apokalypse ausbricht?

Da ich in Bremen an der Weser wohne, würde ich versuchen auf ein Schiff zu gelangen und mit dessen Hilfe gute Loot-Punkte (um in Zocker-/DayZ-Sprache zu reden) erreichen. Also Orte, wo man Zeug zum Überleben findet. Es kommt natürlich auch immer auf die Art der Zombies drauf an. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten… Vom Schiff aus kann man auf jeden Fall angeln und trinkbares Wasser ist auch in der Nähe (sofern man nicht auf dem Meer segelt). Man kann seine „Geschäfte“ über Bord werfen… Ein Boot oder Schiff wäre also meiner Meinung nach auch die hygienischste Lösung. Sollte dies nicht möglich sein, würde ich auf’s offene Feld mit Zelten oder Fahrzeugen gehen, wo man die „Stinker“ immer im Blick hat. Auf offenem Feld sind Schlagwaffen auch am effektivsten. Erinnern wir uns nur mal an die ganzen Historienfilme. In Amerika hingegen gibt es aber zu viele Waffen, um auf das offene Feld zu gehen. Man denke nur an Banden von Plünderern bzw. Banditen… Man wäre ein zu gutes Ziel für ein paar Typen mit Jagdgewehren! Und mein persönlicher Tipp für die Zombiekalypse: Lernt Angeln! In Angelshops gibt es viel nützliches Survival-Zeug zu kaufen, bis hin zu Nachtsichtgeräten! Angler gab es bisher noch in keinem Zombiefilm, wenn ich mich recht erinnere.

Vielen Dank für das Interesse und beste Grüße an das Zombie Planet-Team und eure Besucher! 🙂

 

Und der Dank geht auch zurück: Vielen Dank für Bereitschaft zum Interview an Sebastian Notbom!

Also dann, schaut doch mal auf der GruselSeite vorbei: www.GruselSeite.com

Beitrag von 

Luke spielt am liebsten Zombie-Spiele wie Left 4 Dead und schaut gerne Zombie-Serien wie The Walking Dead und In the Flesh. Ihr findet ihn auch auf Google+!